Again ‘N Again

The official Bild.de World Cup song of 2010 – “Again ‘N Again” from the EES hit album “Awee”

EES macht zur WM „ Alles Allright“
Im WM-Jahr will Namibias Kwaito-Held und NamSlam-König EES den internationalen Durchbruch schaffen.
Blitzschnell brettert sein neon-babyblauer Shaggon-Waggon, ein aufgemöbelter alter VW-Bus um die Ecke, bis es kurz vor dem Straßenschild zur Vollbremsung kommt. EES hat nur eine halbe Stunde Zeit, kurzes Händeschütteln, kurze Respektsbekundung. Und dann klingelt sein Telefon. Einmal. Zweimal. Dreimal. Er redet schnell. Von Songrechten, die noch zu klären sind. Ob der Fan-Sticker Silber mit Goldhintergrund oder umgekehrt sein soll.

Sonnenbrille und Hut sind für EES „Nam-Flava“ ein Muss
EES, gebürtig Eric Sell, steht unter Strom. Wenn er jetzt alles richtig macht und einen kühlen Kopf behält, könnte Namibias Jugendidol und Kwaito-Vorzeige-Rapper bald auf der ganzen Welt ein Star sein.
Ein Plattendeal für eine FIFA-Compilation beim Master-Label SonyBMG, ein Songbeitrag im offiziellen WDR-Programm zur WM, zuletzt den MTV African Music Award eingesackt – für Windhoeks Kwaito-Musiker Nummer eins könnte es derzeit nicht besser laufen. Gerade ist er über Johannesburg nach Köln geflogen: Dort warten seine neunköpfige Band inklusive Posaunen-Spieler und Trommler und die bestätigen Gigs in Deutschland, Paris und Amsterdam. Sonnyboy EES hat eine Mission. „Mein Traum ist es, Kwaito-Musik nach Europa zu bringen und jetzt mit der Wirtschaftskrise und der WM ist genau die richtige Stimmung. Noch nie war Afrika so im Fokus, noch nie haben sich die Menschen nach entspannten, sorgenfreien Songs gesehnt”, so EES zuversichtlich.

In Afrika fühlt er sich als „der weiße Junge, der schwarze Musik macht“. Zu Kwaito kam der gebürtige Namibier während seiner Studienzeit in Kapstadt. „Die Deutschen dort sind alles Surfer und ich bin kein Surfer. Also hatte ich nur schwarze Freunde.“ Bald wollte er mit vier Kumpels eine Band gründen, doch der Deal platzte, weil einer der Jungs ins Gefängnis musste. „Das hat mich damals wahnsinnig runtergezogen“, erinnert sich EES. Es war sein Glück. Der Sänger zog daraufhin nach Deutschland, pendelt mittlerweile zwischen Köln und Windhoek, brachte jüngst seine achte CD heraus. Auszeichnungen, Awards und Angebote folgten. Zuletzt drehte er einen Dokumentarfilm über Kwaito-Musik in Südafrika, der, wenn alles gut läuft, im Ersten Deutsche Fernsehen laufen soll. Bodenständig ist Selfmade-Mann EES bis heute geblieben. Und rational. „Wenn Bob Marley und Reggae-Musik in den Achtzigern groß waren und die Hiphop-Ära jetzt langsam abebbt, dann muss afrikanische Kwaito-Musik endlich an der Reihe sein“, rechnet er sich seine Chancen aus. Aber alles muss dabei entspannt bleiben. Das Besondere an Kwaito-Musik sei schließlich auch die Attitüde. „Es geht nicht um Blingbling wie bei manchen Hiphop-Videos, wo die Typen am Pool mit fetten Goldkettchen sitzen“, findet EES. Stattdessen fährt er in seinen Clips gerne mal mit VW-Bus oder Donkey-Karren vor. „Die Leute hier in Namibia sind meine Inspiration. Während der Ferien schreibe ich zwar keinen einzigen Song. Aber ich weiß genau, dass ich wieder genug Stoff haben werde für die nächsten drei Monate in Köln.“ Bis April will EES diesmal in Köln bleiben, Live-Gigs spielen, Interviews geben, das kalte verschneite Europa mit Kwaito-Beats erobern – und natürlich bei seinem Gönner und Förderer in Köln Cape-Cross-Geschäftsführer Thomas Brügge lernen und arbeiten. Seit vier Jahren ist EES als Tonassistent bei der Kölner Firma Cape Cross tätig. Der Job ist spannend und bringt ihn täglich in Kontakt mit bundesdeutschen Musikern und Fernsehgrößen. Cape Cross arbeitet unter anderem für die Sender Pro7, Sat 1 und RTL. Beste Konditionen also, um von dort in die Welt zu starten. 2010, die WM und ein junger wilder Kwaito-Sänger, der Europa musikalisch auf den Kopf stellt – es klingt zu cool, um nicht wahr zu werden.
Von Caroline Rosales